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Guten Hunger

Zweierlei Maß Unser zynischer Umgang mit dem Hunger

von Solveig Bach

Ungeachtet aller Beteuerungen, die Zahl der Hungernden halbieren zu wollen, hat ihre Zahl erneut zugenommen. Eine Milliarde Menschen wird nicht satt. Und die Schuld daran tragen wir, sagt der Diplomat Jean Feyder.
Das Buch hat 336 Seiten, ist bei Westend erschienen und kostet 24,95 Euro.

Das Buch hat 336 Seiten, ist bei Westend erschienen und kostet 24,95 Euro.

Während die Grüne Woche läuft, essen sich tausende Besucher durch die Häppchen der Verbrauchermesse. Wer hier hungrig bleibt, ist selber schuld. Für eine Milliarde Menschen ist Hunger nicht nur schmerzhafter Alltag, sondern unausweichliches Schicksal.

Der Hunger so vieler Menschen ist nicht einer Missernte geschuldet oder einer Naturkatastrophe, das Elend verursachen die versagenden Eliten in Afrika und Südostasien und die Industriestaaten. Jean Feyder, Botschafter Luxemburgs bei UN und WTO, Vorsitzender des Genfer Komitees der "Least Developed Countries" und Präsident der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung legt mit seinem Buch "Mordshunger" den Finger in diese Wunde.

Janusköpfiges System

Aus seinen zahlreichen Funktionen sind ihm die Spielchen nur zu vertraut. Während die Entwicklungshilfeorganisationen oder –ministerien Milliarden für die Nothilfe ausgeben, dringen gleichzeitig die Wirtschaftsministerien auf die radikale Marktöffnung der Hungerländer. Für die Kredite von IWF und Weltbank zahlen die Länder einen hohen Preis. Die Organisationen zwingen die Länder Subventionen für die einheimische Landwirtschaft zu streichen und Förderprogramme zu stoppen. Zölle und Importbeschränkungen mussten abgebaut werden. Diesem gnadenlosen Wettbewerb waren die bäuerlichen Kleinbetriebe  nicht gewachsen. Feyder zeigt am Beispiel Ghanas, Indiens oder Haitis, das Länder, die genug Reis erzeugten, um ihre gesamte Bevölkerung zu ernähren, unter diesem Druck ihre Nahrungsmittelsouveränität einbüßten.

Die ist nicht nur ein erstrebenswertes Ideal, sondern hat handfeste Vorteile, vor allem in Krisenzeiten. Als die Nahrungsmittelkrise kam, potenzierte sich der Hunger. Der Reis kostete auf dem Weltmarkt plötzlich viel mehr, wieder verdienten die Industrienationen und ihre Nahrungsmittelspekulanten. Folgt man Feyder und es ist schwierig, das nicht zu tun, kommt man nicht umhin, das Handeln von IWF, Weltbank, EU, USA und zahlreicher anderer Akteure als zutiefst unmoralisch zu empfinden.

Skrupellose Interessenpolitik

In der Realität geht es eben nicht um die Bekämpfung des Welthungers, wie es in den Millenniumszielen so edel formuliert ist, sondern um die Sicherung der Wirtschafts- und Finanzinteressen der ersten Welt. Denn besonders zynisch am Handeln der entwickelten Länder ist, dass sie ihre eigenen Landwirtschaften mit erheblichen Zöllen vor unkontrollierten Einfuhren schützen. Dieses Messen mit zweierlei Maß müsse ein Ende haben, mein Feyder und fordert, dass den Volkswirtschaften Afrika viel stärker gestattet werden müsste, ihre einheimische Landwirtschaft zu schützen, bis sie im Wettbewerb bestehen kann.

Der Nahrungsmittelhandel im Weltmaßstab habe sich als problematisch erwiesen, Feyder schlägt deshalb eine Rückkehr in den regionaleren Handel vor. Davon würden auch die Menschen hierzulande profitieren, die ihr Essverhalten längst von der landwirtschaftlichen Produktion abgekoppelt hätten. Als Beweis für diese Argumentation darf sicher der aktuelle Dioxin-Skandal gelten. Die riesigen Konzerne, die nicht nur Monopole auf den Handel mit Maschinen, sondern auch auf den mit Saatgut aufgebaut haben, zählt Feyder detailliert auf.

Die meisten Informationen des Buches sind sachlich formuliert. Dennoch wirkt Feyder immer engagiert. Viele seiner Überlegungen formuliert er als Vorschläge. Nur einmal wird er radikal, Finanzspekulationen mit Nahrungsmitteln müssten verboten werden. Wenn man das alles gelesen hat, bleiben einem die Häppchen im Halse stecken.

 

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23.1.11 17:18
 


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